Es fing so leise an, ein Flüstern aus der Ferne Dann schlug die Tür ins Schloss und raubte uns die Sterne Die Straßen menschenleer, ein unheimlicher Film Und hinter jeder Maske wuchs der unsichtbare Schirm Aus Angst und Paranoia, wer trägt das Virus in sich? Jeder Blick ein Urteil, jeder Atemzug ein Stich Wir saßen im Exil der eignen vier Wände Und zählten die Tage bis zum ungewissen Ende Die Welt wurd' digital, die Freundschaften virtuell Ein Like ersetzt die Umarmung, alles kalt und schnell Wir klatschten für die Helden, die an der Front verheizt Und haben uns im Netz zerfleischt, vom selben Hass vereist Die Gräben wurden tiefer, zwischen Impfung und Verzicht Und rissen Familien, jedes freundliche Gesicht Die Stille hatte einen Preis, den wir erst später kannten Als die ersten Flammen schon am Horizont entbrannten. Wir fallen und fallen, im Strudel der Zeit Gefangen in Krisen, für die Ewigkeit Erst die Seuche, dann die Gier, dann der Hass, der explodiert Sag mir, wie viel kann ein Mensch ertragen, bis er kapituliert? Ein Kartenhaus wackelt, im Sturmwind der Macht Und jede neue Krise stiehlt uns ein Stück von der Nacht. Die Türen sind jetzt offen, doch die Freiheit schmeckt schal Der Preis an der Kasse ist unmenschlich, brutal Jeder Einkauf ein Kampf, jeder Blick auf den Bon Eine stille Demütigung, ein leiser Hohn Die Arbeit die gleiche, der Schweiß rinnt noch immer Doch am Ende vom Monat wird das Licht nur noch schlimmer Die Reichen verstecken ihr Lachen hinter Glas Während der Rest für die Heizung spart beim Essen, ist das krass? Die Nachrichten reden von Zahlen, Prozenten und Zins Doch ich seh' nur die Angst in den Augen des Kinds Das nicht versteht, warum der Urlaub gestrichen Warum die Wünsche leise aus dem Alltag entwichen Sie nennen es "Marktwirtschaft", "notwendige Qual" Doch es ist nur der Hunger, millionenfach, egal Ein stiller Krieg, ohne Panzer, ohne Schrei Und du kämpfst jeden Tag, gehst langsam dabei drauf, einerlei. Wir fallen und fallen, im Strudel der Zeit Gefangen in Krisen, für die Ewigkeit Erst die Seuche, dann die Gier, dann der Hass, der explodiert Sag mir, wie viel kann ein Mensch ertragen, bis er kapituliert? Ein Kartenhaus wackelt, im Sturmwind der Macht Und jede neue Krise stiehlt uns ein Stück von der Nacht. Und als die Sorge uns schon fast den Atem nahm Kam das Echo von Stiefeln, die der Osten vernahm Panzer rollen über Felder, die grad gestern noch blühten Die Nachrichten voll Blut, das wir nicht sehen wollten, wir wütend Hilflos vor den Bildschirmen, mit "Stand with" im Namen Während Mütter um Söhne und Töchter gramen Kaum hat das Auge die eine Flagge erkannt Ist schon der nächste Brandherd an der Weltwand entbrannt Von Kiew nach Gaza, derselbe uralte Schmerz Ein Kreislauf aus Rache, ein zerrissenes Herz Kinder unter Trümmern, Hass, der Generationen sät Eine Spirale der Gewalt, die sich unaufhaltsam dreht Und die Frage steht im Raum, wie ein Damoklesschwert Sind wir die Nächsten, ist unser Frieden nichts mehr wert? Die Welt ist ein Pulverfass, und die Lunte, sie glüht Und du spürst, wie die Angst in deinen eignen Knochen zieht. Und während wir zusehen, wie die Welt zerfällt in Stücke Baut sich im Stillen eine unsichtbare Brücke In eine Zukunft, in der der Mensch nicht mehr zählt Eine neue Intelligenz, die unsere Welt befiehlt Kein Monster aus Stahl, keine Armee, die uns jagt Nur ein Code, der dir leise "Du bist überflüssig" sagt Der Maler, der Dichter, der Denker, der Lenker Ausgelöscht von 'ner Software, ein digitaler Henker Die Kunst wird berechnet, die Seele simuliert Jeder Gedanke von uns schon längst analysiert Wir schufen den Geist in der Maschine mit Stolz Und merken zu spät, er ist aus kälterem Holz Er braucht keinen Schlaf, keine Liebe, kein Brot Und schreibt für uns alle den digitalen Tod Ein perfektes System, effizient und agil Doch was bleibt von uns Mensch? Was ist das Endziel? Wir fallen und fallen, im Strudel der Zeit Gefangen in Krisen, für die Ewigkeit Erst die Seuche, dann die Gier, dann der Hass, der explodiert Sag mir, wie viel kann ein Mensch ertragen, bis er kapituliert? Ein Kartenhaus wackelt, im Sturmwind der Macht Und jede neue Krise stiehlt uns ein Stück von der Nacht. Wir fallen und fallen, im Strudel der Zeit Gefangen in Krisen, für die Ewigkeit Erst die Seuche, dann die Gier, dann der Hass, der explodiert Sag mir, wie viel kann ein Mensch ertragen, bis er kapituliert? Ein Kartenhaus wackelt, im Sturmwind der Macht Und jede neue Krise stiehlt uns ein Stück von der Nacht. Wir fallen und fallen... im Strudel der Zeit... Gefangen in Krisen... Ich sitz' hier und schreib' diese Zeilen... und frag' mich, wofür? Vielleicht schreibt sie morgen eine Maschine viel besser als wir. Vielleicht hört sie auch keiner, in all diesem Lärm und Geschrei. Ich seh' in die Zukunft und seh' nur noch Asche und Blei. Und das Allerschlimmste... ist das Gefühl tief in mir... dass ich mich langsam dran gewöhne. Hier.
„Krisen“ habe ich geschrieben, weil ich irgendwann gemerkt habe, dass uns die letzten fünf Jahre nicht nur Sicherheit genommen haben. Sie haben uns langsam die Freude genommen. Erst kam die Angst vor Nähe. Dann wurde das Leben teurer, der Ton härter und die Welt gewalttätiger. Kaum hatten wir gelernt, mit einer Krise zu leben, stand schon die nächste vor der Tür. Schlechte Nachrichten wurden zum Morgenritual. Sorgen wurden normal. Selbst schöne Momente fühlten sich plötzlich an, als müssten wir uns dafür entschuldigen. Der Song handelt von dieser Erschöpfung. Von dem Gefühl, ständig auf den nächsten Einschlag zu warten, während das eigene Leben weiterlaufen soll. Ich schreibe nicht über Zahlen, Schlagzeilen oder politische Lager. Ich schreibe darüber, was sie mit uns gemacht haben: wie Misstrauen zwischen Menschen gewachsen ist, wie Zukunft zu einer Drohung wurde und wie wir verlernt haben, uns ohne schlechtes Gewissen zu freuen. Am meisten erschreckt mich nicht, dass so vieles passiert ist. Es ist die Gewöhnung daran. Der Moment, in dem das Unfassbare nur noch eine weitere Meldung ist. „Krisen“ ist mein Versuch, diesen Moment festzuhalten, bevor auch er gleichgültig wird. Denn solange ich noch spüre, was uns fehlt, ist die Freude nicht verschwunden. Sie wartet nur darauf, dass wir sie uns zurückholen.
