Cover für Krisen+ Track 06 05:47
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Akte 06 · Track 06

Krisen

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Track 06
Die Nackte Wahrheit / Lyrics
Es fing so leise an, ein Flüstern aus der Ferne
Dann schlug die Tür ins Schloss und raubte uns die Sterne
Die Straßen menschenleer, ein unheimlicher Film
Und hinter jeder Maske wuchs der unsichtbare Schirm
Aus Angst und Paranoia, wer trägt das Virus in sich?
Jeder Blick ein Urteil, jeder Atemzug ein Stich
Wir saßen im Exil der eignen vier Wände
Und zählten die Tage bis zum ungewissen Ende
Die Welt wurd' digital, die Freundschaften virtuell
Ein Like ersetzt die Umarmung, alles kalt und schnell
Wir klatschten für die Helden, die an der Front verheizt
Und haben uns im Netz zerfleischt, vom selben Hass vereist
Die Gräben wurden tiefer, zwischen Impfung und Verzicht
Und rissen Familien, jedes freundliche Gesicht
Die Stille hatte einen Preis, den wir erst später kannten
Als die ersten Flammen schon am Horizont entbrannten.

Wir fallen und fallen, im Strudel der Zeit
Gefangen in Krisen, für die Ewigkeit
Erst die Seuche, dann die Gier, dann der Hass, der explodiert
Sag mir, wie viel kann ein Mensch ertragen, bis er kapituliert?
Ein Kartenhaus wackelt, im Sturmwind der Macht
Und jede neue Krise stiehlt uns ein Stück von der Nacht.

Die Türen sind jetzt offen, doch die Freiheit schmeckt schal
Der Preis an der Kasse ist unmenschlich, brutal
Jeder Einkauf ein Kampf, jeder Blick auf den Bon
Eine stille Demütigung, ein leiser Hohn
Die Arbeit die gleiche, der Schweiß rinnt noch immer
Doch am Ende vom Monat wird das Licht nur noch schlimmer
Die Reichen verstecken ihr Lachen hinter Glas
Während der Rest für die Heizung spart beim Essen, ist das krass?
Die Nachrichten reden von Zahlen, Prozenten und Zins
Doch ich seh' nur die Angst in den Augen des Kinds
Das nicht versteht, warum der Urlaub gestrichen
Warum die Wünsche leise aus dem Alltag entwichen
Sie nennen es "Marktwirtschaft", "notwendige Qual"
Doch es ist nur der Hunger, millionenfach, egal
Ein stiller Krieg, ohne Panzer, ohne Schrei
Und du kämpfst jeden Tag, gehst langsam dabei drauf, einerlei.

Wir fallen und fallen, im Strudel der Zeit
Gefangen in Krisen, für die Ewigkeit
Erst die Seuche, dann die Gier, dann der Hass, der explodiert
Sag mir, wie viel kann ein Mensch ertragen, bis er kapituliert?
Ein Kartenhaus wackelt, im Sturmwind der Macht
Und jede neue Krise stiehlt uns ein Stück von der Nacht.

Und als die Sorge uns schon fast den Atem nahm
Kam das Echo von Stiefeln, die der Osten vernahm
Panzer rollen über Felder, die grad gestern noch blühten
Die Nachrichten voll Blut, das wir nicht sehen wollten, wir wütend
Hilflos vor den Bildschirmen, mit "Stand with" im Namen
Während Mütter um Söhne und Töchter gramen
Kaum hat das Auge die eine Flagge erkannt
Ist schon der nächste Brandherd an der Weltwand entbrannt
Von Kiew nach Gaza, derselbe uralte Schmerz
Ein Kreislauf aus Rache, ein zerrissenes Herz
Kinder unter Trümmern, Hass, der Generationen sät
Eine Spirale der Gewalt, die sich unaufhaltsam dreht
Und die Frage steht im Raum, wie ein Damoklesschwert
Sind wir die Nächsten, ist unser Frieden nichts mehr wert?
Die Welt ist ein Pulverfass, und die Lunte, sie glüht
Und du spürst, wie die Angst in deinen eignen Knochen zieht.

Und während wir zusehen, wie die Welt zerfällt in Stücke
Baut sich im Stillen eine unsichtbare Brücke
In eine Zukunft, in der der Mensch nicht mehr zählt
Eine neue Intelligenz, die unsere Welt befiehlt
Kein Monster aus Stahl, keine Armee, die uns jagt
Nur ein Code, der dir leise "Du bist überflüssig" sagt
Der Maler, der Dichter, der Denker, der Lenker
Ausgelöscht von 'ner Software, ein digitaler Henker
Die Kunst wird berechnet, die Seele simuliert
Jeder Gedanke von uns schon längst analysiert
Wir schufen den Geist in der Maschine mit Stolz
Und merken zu spät, er ist aus kälterem Holz
Er braucht keinen Schlaf, keine Liebe, kein Brot
Und schreibt für uns alle den digitalen Tod
Ein perfektes System, effizient und agil
Doch was bleibt von uns Mensch? Was ist das Endziel?

Wir fallen und fallen, im Strudel der Zeit
Gefangen in Krisen, für die Ewigkeit
Erst die Seuche, dann die Gier, dann der Hass, der explodiert
Sag mir, wie viel kann ein Mensch ertragen, bis er kapituliert?
Ein Kartenhaus wackelt, im Sturmwind der Macht
Und jede neue Krise stiehlt uns ein Stück von der Nacht.

Wir fallen und fallen, im Strudel der Zeit
Gefangen in Krisen, für die Ewigkeit
Erst die Seuche, dann die Gier, dann der Hass, der explodiert
Sag mir, wie viel kann ein Mensch ertragen, bis er kapituliert?
Ein Kartenhaus wackelt, im Sturmwind der Macht
Und jede neue Krise stiehlt uns ein Stück von der Nacht.

Wir fallen und fallen... im Strudel der Zeit...
Gefangen in Krisen...
Ich sitz' hier und schreib' diese Zeilen... und frag' mich, wofür?
Vielleicht schreibt sie morgen eine Maschine viel besser als wir.
Vielleicht hört sie auch keiner, in all diesem Lärm und Geschrei.
Ich seh' in die Zukunft und seh' nur noch Asche und Blei.
Und das Allerschlimmste...
ist das Gefühl tief in mir...
dass ich mich langsam dran gewöhne. Hier.
Die Obduktion / Befund des Managers

„Krisen“ habe ich geschrieben, weil ich irgendwann gemerkt habe, dass uns die letzten fünf Jahre nicht nur Sicherheit genommen haben. Sie haben uns langsam die Freude genommen. Erst kam die Angst vor Nähe. Dann wurde das Leben teurer, der Ton härter und die Welt gewalttätiger. Kaum hatten wir gelernt, mit einer Krise zu leben, stand schon die nächste vor der Tür. Schlechte Nachrichten wurden zum Morgenritual. Sorgen wurden normal. Selbst schöne Momente fühlten sich plötzlich an, als müssten wir uns dafür entschuldigen. Der Song handelt von dieser Erschöpfung. Von dem Gefühl, ständig auf den nächsten Einschlag zu warten, während das eigene Leben weiterlaufen soll. Ich schreibe nicht über Zahlen, Schlagzeilen oder politische Lager. Ich schreibe darüber, was sie mit uns gemacht haben: wie Misstrauen zwischen Menschen gewachsen ist, wie Zukunft zu einer Drohung wurde und wie wir verlernt haben, uns ohne schlechtes Gewissen zu freuen. Am meisten erschreckt mich nicht, dass so vieles passiert ist. Es ist die Gewöhnung daran. Der Moment, in dem das Unfassbare nur noch eine weitere Meldung ist. „Krisen“ ist mein Versuch, diesen Moment festzuhalten, bevor auch er gleichgültig wird. Denn solange ich noch spüre, was uns fehlt, ist die Freude nicht verschwunden. Sie wartet nur darauf, dass wir sie uns zurückholen.