Man zieht den Mantel an. Man geht. Man zählt nicht die Schritte, sondern die Lügen, die man heute geschluckt hat. Die Stadt schläft. Der Verstand nicht.
Tafel I · Wien, 03:14
Tafel II · Warum ich schreibe
Geschrieben, weil Schweigen auch eine Antwort ist.
Die falsche. Zustimmung durch Stillschweigen ist Mittäterschaft. Also schreibe ich, nicht weil ich es will, sondern weil das Gegenteil unerträglich geworden ist.
Tafel II · Warum ich schreibe
Tafel III · Der wahre Held
Diogenes.
Kein König, kein General, kein Influencer. Ein Mann in einem Fass, der einem Imperator sagte, er solle aus seiner Sonne treten. Das ist Mut. Alles andere ist Marketing.
Tafel III · Der wahre Held
Akte 02 / Aus dem ManifestDGNS · Das Gewissen einer letzten Generationv1.0
+ pl. 02 · die Lampe live
„Wir sind die letzte Generation,
Die sich erinnert, wie es ohne war.“
Manifest, Strophe 10
02
++ Steckbrief ++ Auszug aus dem Manifest ++
Gesucht: ein ehrlicher Mensch.
Keine Heiligen. Keine Helden. Nur ein paar Leute mit einer Frage in der Hand, am hellichten Tag, in einer Stadt, die sich für erleuchtet hält.
Kennzeichen
Hat den Boardroom verlassen, ohne die Aktien.
Sprache
Benutzt das Wort Würde ohne ironische Anführungszeichen.
Verbrechen
Neugier. Und der Glaube, dass Worte etwas bedeuten.
Letzter Stand
Liest noch eine Stunde am Stück.
Dekadenz ist heute nicht Marmor, nicht Wein. Dekadenz ist: zehn Tabs offen, kein Buch zu Ende, Empörung mit Haltung verwechselt. Wir verkaufen nichts. Wir bauen keine Bewegung, wir stellen nur eine Frage. Eine einzige. Und wer noch zuhören kann, wird sie hören.
gez. DGNS · Wien / Athen geschrieben bei Kerzenlicht
„Beleidigt“ entstand nicht aus einem einzelnen Streit. Der Song entstand aus meiner täglichen Dauerbeschallung. Aus hohlen Meinungen, die als Fakten auftreten. Aus Menschen, die Lautstärke mit Haltung und Empörung mit Denken verwechseln.
Ich hatte lange genug zugesehen. Zu viele Phrasen, zu viel inszenierte Moral, zu wenig ehrliche Neugier. Meine Frustration wollte ich nicht länger herunterschlucken. Ich habe sie verdichtet, zu einem Debüt, das keine Vorstellung braucht, weil es selbst eine Kampfansage ist.
Der Titel dreht die Logik der Gegenwart um: Nicht mein Ego ist beleidigt. Mein Verstand ist es. „Beleidigt“ ist der Moment, in dem ich aufgehört habe, höflich zu schweigen. Akte 01. Mein erster Befund.
„Theodizee“ ist der leiseste und schwerste Song, den ich je geschrieben habe. Er trägt die eine Frage, die mich seit dem Grab nicht mehr loslässt: Wenn Gott gut ist, warum lässt er das Leid zu?
Ich war der achtjährige Junge, dessen Vater starb. Ich stand am offenen Grab, die kleine Faust in der Manteltasche, und wartete auf eine Antwort, die nie kam. Ich betete und weinte, bis meine Stimme zerbrach. Der Himmel blieb still. Diese Stille ist nie wieder vergangen. Sie ist mit mir älter geworden, stiller, aber nie leiser.
Dieses Lied ist kein Vorwurf aus Wut. Es ist meine Stimme als Kind, das bis heute nicht versteht, warum ihm der wichtigste Mensch genommen wurde, und meine Stimme als Erwachsener, der an manchen Abenden noch immer nach oben sieht und nichts findet als leere Wolken. Ich will damit nichts beweisen. Ich will nur, dass dieses Schweigen einmal gehört wird, damit ich es nicht länger allein tragen muss.
Am Ende kommt keine Antwort. Nur ein Tropfen Regen auf die Stirn eines müden Mannes. Für einen Moment bin ich wieder acht Jahre alt und spüre die Hand meines Vaters auf meiner Schulter. „Theodizee“ ist mein traurigster Frieden: kein Trost vom Himmel, sondern die leise Gewissheit, dass meine Liebe zu meinem Vater größer ist als jede Antwort.
Irgendwann in meinem Leben habe ich verstanden, dass Nähe nicht bedeutet, wirklich gesehen zu werden. Viele Menschen kennen meinen Namen, meine Arbeit, mein Lachen oder die Rolle, die ich für sie spiele. Aber nur sehr wenige kennen den Menschen dahinter. Noch weniger verstehen, was in mir geschieht, wenn es still wird.
„Du kennst mich nicht“ habe ich für all jene Momente geschrieben, in denen ich unter Menschen war und mich trotzdem vollkommen allein fühlte. Für die Gespräche, in denen man mir zuhörte, ohne mich zu hören. Für jedes schnelle Urteil über mich, das leichter war als eine ehrliche Frage. Und für die Last, die niemand sieht, weil ich gelernt habe, sie hinter einem Lächeln zu tragen.
Der Song ist kein Vorwurf an einen einzelnen Menschen. Er ist mein Eingeständnis, dass ich mich selbst zu lange unsichtbar gemacht habe. Ich habe funktioniert, geschwiegen und andere nur so nah an mich herangelassen, wie ich es ertragen konnte. Deshalb handelt das Lied nicht nur vom Unverstandenwerden. Es handelt auch von meiner Angst, mich wirklich erkennen zu lassen.
Vielleicht ist „Du kennst mich nicht“ die ehrlichste Tür, die ich bisher geöffnet habe. Nicht, weil dahinter Antworten warten. Sondern weil ich zum ersten Mal sage, was sonst niemand sieht: Ich bin da. Ich trage mehr, als ich zeige. Und wenn du mich wirklich kennen willst, musst du bleiben, wenn es dunkel wird.