Du stehst leise in der Tür. Kommst im Dunkeln her zu mir. Reibst den Schlaf aus dem Gesicht. Setz dich her ins Lampenlicht. Du bist wach und voller Fragen. Kannst sie nicht alleine tragen. Pass gut auf, Papa nimmt sich Zeit. Ich geb dir die Antworten, mach dich bereit. Dein kleiner Finger zeigt hinaus. Auf die Straße, auf das Haus. Du siehst Schatten im Laternenlicht. Fragst, wieso die Welt zerbricht. Siehst den Alten an der Wand. Mit der Flasche in der Hand. Siehst die Tränen bei der Frau. Blickst genau ins Himmelsblau. Fragst mich, warum Menschen weinen. Warum Sonnen seltner scheinen. Warum gibt es so viel Not? Warum kämpft man hier ums Brot? Warum schlägt das Schicksal zu? Nimmt den Leuten ihre Ruh. Du bist rein und ohne Schuld. Wartest leise mit Geduld. Suchst den Sinn in all dem Leid. In der kalten Dunkelheit. Warum hält die Welt nicht still, Wenn der Sturm uns brechen will? Hör gut hin, mein kleiner Mann. Schau dir dieses Leben an. Jede Träne, jeder Schmerz, Formt am Ende unser Herz. Ein glattes Herz bleibt ewig stumm! Es dreht sich nur um sich herum! Du fragst, was dieser Schmerz uns bringt? Wenn er uns auf die Knie zwingt! Lass es brechen, lass es weinen! Lass die Risse in dir scheinen! Hör gut zu und lern, mein Kind: Dass traurige Herzen die schönsten sind! Wer nie stürzt und wer nie fällt. Kennt nicht wirklich diese Welt. Wer nie tief im Dunkeln saß. Kennt vom Licht nicht mal das Maß. Kummer ist ein scharfer Stein. Schleift die Seele hell und rein. Nimmt die Arroganz, die Gier. Macht ein echtes Wir aus Mir. Leute, die nur sonnig lachen. Die nie aus Alpträumen wachen. Haben oft ein flaches Wesen. Kannst du aus den Blicken lesen. Doch die Menschen, die tief fallen, Und sich an die Hoffnung krallen, Haben Augen voller Glanz. Üben auf dem Seil den Tanz. Sie sind weich und sie sind echt. Kennen Wahrheit, kennen Recht. Trauer reißt die Seele auf, Nimmt die Narben mit in Kauf. Doch wo diese Wunde klafft, Gibt die Liebe neue Kraft. Ohne Schatten fehlt der Wert. Das ist das, was Leid uns lehrt. Ein glattes Herz bleibt ewig stumm! Es dreht sich nur um sich herum! Du fragst, was dieser Schmerz uns bringt? Wenn er uns auf die Knie zwingt! Lass es brechen, lass es weinen! Lass die Risse in dir scheinen! Hör gut zu und lern, mein Kind: Dass traurige Herzen die schönsten sind! Ich seh dich an, du hörst mir zu. In dir wohnt noch diese Ruh. Würd dir gern die Wege räumen. Sollst von bunten Wiesen träumen. Sollst nie spüren, wie es sticht. Wenn ein großer Traum zerbricht. Doch dann wärst du kalt wie Stein. Würdest niemals traurig sein. Könntest aber auch nicht lieben, Wärst ein leeres Blatt geblieben. Darum lass die Tränen fließen. Lass die Zweifel in dir sprießen. Jeder Kratzer, den du kriegst. Zeigt am Ende, wie du liebst. Narben sind wie ein Beweis. Für den allerhöchsten Preis. Wer zerschlagen war und heilt. Ist der Mensch, der gerne teilt. Zähl die Brüche, zähl die Falten. Lern den Sturm hier auszuhalten. Denn wer nie am Boden lag, Bricht am allerersten Tag. Aber du strahlst hell und klar. Wunderschön und wunderbar. Ein glattes Herz bleibt ewig stumm! Es dreht sich nur um sich herum! Du fragst, was dieser Schmerz uns bringt? Wenn er uns auf die Knie zwingt! Lass es brechen, lass es weinen! Lass die Risse in dir scheinen! Hör gut zu und lern, mein Kind: Dass traurige Herzen die schönsten sind! Hab keine Angst vor dem Regen. Er wäscht die Seele sauber. Ein gebrochenes Herz ist ein offenes Herz. Die Traurigkeit ist nur der Meißel. Er formt dein Meisterwerk. Die traurigsten Herzen... Sie haben die schönsten Geschichten zu erzählen. Glaub mir das. Komm her. Schlaf jetzt ein. Der Morgen kommt.
„Lass es brechen“ ist das persönlichste Lied, das ich bisher geschrieben habe. Es ist kein Song für die Straße und kein Song für die Bühne. Es ist ein Gespräch am Bett meines Sohnes, mitten in der Nacht, wenn die großen Fragen kommen. Er steht in der Tür, kann nicht schlafen und will wissen, warum die Welt so oft wehtut. Warum Menschen weinen, warum das Schicksal zuschlägt, warum das Gute so selten scheint. Und ich muss ihm antworten, ohne ihn zu belügen. Ich könnte ihm sagen, dass alles gut wird. Aber das wäre nicht die Wahrheit. Die Wahrheit ist: Es wird brechen. Herzen brechen, Träume brechen, Pläne brechen. Und genau das ist nicht das Ende, sondern der Anfang. Denn wer nie gefallen ist, kennt den Wert des Stehens nicht. Wer nie geweint hat, weiß nicht, was ein Lachen kostet. Das Leid ist kein Fehler im System. Es ist der Lehrer, den niemand bestellt hat und jeder braucht. Dieser Song ist mein Versuch, meinem Sohn die Angst vor dem Zerbrechen zu nehmen. Nicht indem ich ihn davor schütze, sondern indem ich ihm zeige, was dahinter liegt: Ein gebrochenes Herz ist ein offenes Herz. Und die traurigsten Herzen haben die schönsten Geschichten zu erzählen. Am Ende bleibt nur noch das Lampenlicht, eine Hand auf seiner Schulter und der Satz, den ich ihm mitgeben will, für jeden Sturm, der noch kommt: Schlaf jetzt ein. Der Morgen kommt.
